Die Ode ist eine in viele Strophen gegliederte, lange Gedichtform. Signifikant für die Ode ist der Verzicht auf einen Reim (Ausnahme: Friedrich Schiller’s „Ode an die Freude“). Die Sprache der Ode ist sehr emotionsvoll, erhaben und euphorisch und die Themen der Ode reichen von schwungvollen Lobeshymnen an verschiedene Persönlichkeiten bis zur poetischen Hingabe an Natur und Gefühle. Dabei ist ein gesellschaftlicher und philosophischer Bezug nur peripher vorhanden.
Die Form der Ode kann je nach Wahl frei oder gebunden sein. Sie kann einem Metrum folgen, jedoch besteht kein Zwang dazu, um eine Ode als Ode zu definieren. Jedoch muss die Form der ausgelassenen und pathetischen Stimmung angemessen gewählt werden.
Bereits in der Antike wurde Lyrik in Begleitung von Musik vorgetragen und im Allgemeinen der Begriff Ode eine Sammelbezeichnung.
In Deutschland war es vor allem Klopstock, der antike Odenformen als einer der ersten nachahmte und die Ode für die deutsche Sprache zu einer grundlegenden Gedichtform macht. Dabei werden in der deutschen Sprache vor allem 3 Odenformen weiterentwickelt:
sapphische Odenstrophe: Die ersten drei Verse sind metrisch gleich, die sich aus zwei Trochäen zum Beginn, dann einem Daktylus, dem ein weiterer Trochäus folgt, zusammensetzen. Der vierte Vers besteht aus einem Daktylus und einem Trochäus.
alkäische Odenstrophe: Diese Odenform wurde in der deutschen Sprache vor allem von Friedrich Hölderlin verwendet. Sie ist ebenfalls vierversig. Die ersten beiden Verse sind metrisch gleich. Zwei Jamben folgt eine Zäsur, ein Daktylus und ein Trochäus. Der dritte Vers ist vierhebig jambisch. Der vierte Vers beinhaltet zwei Daktylen und lässt zwei Trochäen folgen.
asklepiadeische Odenstrophe: Vierversig. In den ersten beiden Versen folgt dem Trochäus ein Daktylus und eine zusätzliche Hebung. Danach folgt eine Zäsur. Nach der Zäsur folgt ein katalektischer (um eine Silbe verkürzter) Trochäus. Der dritte Vers ist kurz. Einem Trochäus zum Beginn folgt ein Daktylus und der Vers schließt wiederum mit einem Trochäus. Der vierte Vers ist mit dem dritten Vers gleich und hat zusätzlich am Versende eine zusätzliche Hebung.
Ein Ausschnitt aus einer Ode von Friedrich Gottlieb Klopstock in der asklepiadeischen Odenstrophe
Der Zürchersee
Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht, Das den großen Gedanken Deiner Schöpfung noch einmal denkt.
Von des schimmernden Sees Traubengestaden her, Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf, Komm in rötendem Strahle Auf dem Flügel der Abendluft,
Komm, und lehre mein Lied jugendlich heiter sein, Süße Freude, wie du! gleich dem beseelteren Schnellen Jauchzen des Jünglings, Sanft, der fühlenden Fanny gleich.
Schon lag hinter uns weit Uto, an dessen Fuß Zürch in ruhigem Tal freie Bewohner nährt; Schon war manches Gebirge Voll von Reben vorbeigeflohn.
Jetzt entwölkte sich fern silberner Alpen Höh, Und der Jünglinge Herz schlug schon empfindender, Schon verriet es beredter Sich der schönen Begleiterin. …